46/ Royal mit Käse

Bei unserem Roadtrip durch Europa sind wir an vielen Schlössern vorbeigekommen, aber rund um den Starnberger See gab es gleich eine ganze Handvoll! Und in einem davon wohnten wir. Die Mauern unseres Schlosses hatten schon mehrere hundert Jahre auf dem Buckel, und während ich allein durch die hohen Räume dackelte, fantasierte ich mir zusammen, wie seine adeligen Bewohner hier damals umherschweiften und pompöse Feste feierten. Bestimmt prominierten sie manchmal am idyllischen Seeufer entlang, machten elegante Reitausflüge oder gingen in den angrenzenden bayrischen Wäldern auf die Jagd. So vielleicht auch die kleine Herzogin Sissi vom Schloss Possenhofen, der späteren Kaiserin von Österreich.

Verglichen mit der restlichen Bevölkerung schwelgten Adelige von jeher in Glanz und Gloria. Selbst im Mittelalter, als die ersten Schlösser in Deutschland noch stanken, kalt waren, zugig und feucht, nur schwer beheizbar, ohne Fensterglas und fließendem Wasser ausgestattet, geschweige denn einem hygienischen Abwassersystem, galt dieses Leben als höchster Wohlstand. Wer sich lieber das Luxusleben einer Prinzessin der frühen Neuzeit vorstellen möchte, der kommt an engen Korsetts, Hofprotokoll, Glaubensdiktat, Intrigen aus den eigenen Reihen, Zwangsheirat und dem Druck, einen männlichen Thronfolger gebären zu müssen, nicht vorbei. Voll das geile Prinzessinnenleben! Und die Royals von heute? Es hat sich vieles zum modernen Besseren gewendet, doch ohne Security können sich einige Adelige außerhalb ihrer Schlösser nicht frei bewegen, werden von der Klatschpresse verfolgt und stehen im gnadenlosen Visier der Öffentlichkeit. Ist das wirklich beneidenswert?

Echter Luxus ist anders. Für mich ist das ein guter ehrlicher Freund, Gesundheit, Freiheit und in Frieden leben zu können. Mein Lebensreichtum sind weitgefächerte Erfahrungen und eine gewisse Weltgewandtheit. Jede humorvolle Ader ist mir blaues Blut.

Tantes Meinung zu dem Thema gestaltete sich, nun ja, ein wenig überraschend. Als ich wieder zurückkam, stolzierte sie durch unsere Bude, hatte eine Plastikkrone aufm Kopp, zog das Bettlaken wie eine Schleppe hinter sich her und trank Sekt aus ihrem Zahnputzbecher. „Komm an meine Seite Prinz Rafael… ich nehme gerade die Parade ab!“ Mehr muss ich dazu wohl nicht sagen.

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